Die Geschichte des Barockschlosses Riegersburg
Ewerb von Schloß Riegersburg durch Sigismund Friedrich Graf Khevenhüller im Jahre 1730
von Ernst Dieter Petritsch
Riegersburg
So wie viele Schlösser erlebte auch die im Jahre 1427 erstmalig genannte Festung Riegersburg im Laufe der Jahrhunderte eine bewegte Geschichte. Sigmund Graf von Hardegg (1539-1599) erwarb die Burg 1568 von den Eitzingern, in deren Besitz sie sich seit 1441 befunden hatte. Anstelle der verfallenen Festung ließ er ein auf Piloten ruhendes Wasserschloß erbauen und richtete darin das Verwaltungszentrurn der Grafschaft Hardegg sowie seinen Herrschaftssitz ein. Sigmunds Sohn Johann Wilhelm von Hardegg stürzte sich durch den Ankauf weiterer, teils schwer verschuldeter Herrschaften seinerseits in so tiefe Schulden, daß nach seinem Tod im Jahr 1635 der Konkurs über seinen Nachlaß verhängt werden mußte. Um die darauf folgenden langwierigen Verhandlungen zu beenden, schloß der Erbe, Julius von Hardegg (1594-1684), ein Abkommen mit den Gläubigern und übernahm die Zahlung der Schulden, zu welchem Zweck er 1656 die Grafschaft Hardegg und Riegersburg verkaufte. Neue Besitzer wurden die damals noch unmündigen Grafen von Saint- Julien. Deren Vater, Heinrich Guyard, Graf von Saint-Julien (1590- 1642), war mit der Schwester des eben erwähnten Julius von Hardegg, Sidonia Elisabeth (1619-1651), verheiratet gewesen.
Aus religiösen Gründen war er seinerzeit aus Frankreich emigriert und in kaiserliche Kriegsdienste getreten, zum Kämmerer und schließlich zum Hofkriegsrat ernannt worden. Nachdem er 1630 die Herrschaft Niederwalisee käuflich erworben hatte, wurden er und seine Nachkommen im Jahre 1638 mit dem Titel "Grafen von Wallsee" in den Reichsgrafenstand erhoben. Heinrichs Urenkel, Johann Julius von Saint-Julien-Wallsee (1702-1783), besaß die Grafschaft Hardegg nach dem Tode seines Vaters (1728) zunächst gemeinsam mit seinem Bruder Johann Leopold, und erst zu Beginn des Jahres 1730 wurde er alleiniger Inhaber.
Doch bereits am 1. August desselben Jahres verkaufte er die Grafschaft samt allen dazugehörigen Herrschaften an Sigismund Friedrich Grafen von Khevenhüller.
Khevenhüller-Metsch
Sigismund Friedrich von Khevenhüller (17. September 1666 bis 8. Dezember 1742) absolvierte im Staatsdienst eine glänzende Karriere: 1694 innerösterreichischer Regierungsrat in Graz, von 1698 bis 1711 Landeshauptmann in Kärnten, 1701 kaiserlicher Rat, seit 1712 niederösterreichischer Statthalter und Regierungspräsident, 1721 Ritter vom Goldenen Vließ, bald darauf Staatskonferenz-Minister. Die höchste Auszeichnung stellte jedoch zweifellos die Erhebung in den Reichsgrafenstand dar, die ihm und seiner Familie im Jahr 1725 verliehen wurde.
Am 1. August 1730 wurde in Wien jener Vertrag unterzeichnet, womit Graf Khevenhüller die Grafschaft Hardegg sowie die Herrschaften Riegersburg, Prutzendorf und Ober- und Untermixnitz samt allen Zugehörigkeiten käuflich erwarb. Gemeinsam mit seinem Sohn Johann Joseph Graf Khevenhüller, der den Kaufvertrag ebenfalls unterfertigt hatte, reiste er bereits am 5. August von Wien ab, "um die Possessiones der von Herrn Grafen Julius von St. Julien erkauften und an der Thaya sieben Posten von Horn gelegenen Grafschaft Hardegg nebst den Gütern Riegersburg und Prutzendorf ... zu nehmen und mir die Untertanen angeloben zu lassen".
Atlas mit der Weltkugel
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Zum damaligen Zeitpunkt befand sich Schloß Riegersburg teilweise in sehr schlechtem Zustand und dürfte auch nicht mehr bewohnbar gewesen sein, sodaß bald bauliche Veränderungen in
Angriff genommen wurden.
Der Umbau, welcher sich über viele Jahre erstreckte, erfolgte nach Plänen des "niederösterreichischen Landschaftsbaumeisters" Franz Anton Pilgram (1699-1761), eines Schülers Lukas von Hildebrandts.
Schloß Riegersburg erhielt somit seine heute noch erhaltene wunderschöne barocke Gestalt. |
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